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HN
Ein Kätchen zum Knutschen
Ein Kätchen zum Küssen! Nach 400 Jahren amüsiert Shakespeares 
„Widerspenstige“ immer noch durch furiose Aggressivität. Doch hier ist 
die Wandlung zum Lämmchen nur Schein. Die Anpassung ist Taktik, die 
Willfährigkeit Berechnung, der Schlußmonolog blanker Hohn. Selbst 
militante Emanzen, sollten sie sich im Premierenpublikum befunden 
haben, könnten mit dieser Umdichtung zufrieden sein. Nur Katharinas 
Ehemann Petrucchio begreift von alledem nichts. Tatsächlich ist er es, 
der sich gewandelt hat. Seine Karriere als Kotzbrocken ist beendet. 
Dümmlich lächelnd glaubt er an seinen Sieg. 
Soviel zum „Inhalt“ der Komödie. Der Rest ist eine rasante Folge von 
Wortgags, von witzigen Einfällen und hinreißend komischen Situationen. 
Helmut Stauss, die Wiedergeburt aller Hanswürste und Harlekine, 
verabreicht seine erschütternde und tränentreibende Medizin im 
Übermaß. Da braucht man die Pause schon, um einigermaßen wieder 
zu Atem zu kommen und sich das Gesicht trockenzuwischen. Zu diesem 
Zeitpunkt triumphiert noch männliche Häme. War es nicht zu schön, wie 
Katharina ihrer sanftmütigen Schwester, der von Freiern umschwärmten 
Bianca die Glieder brutal verknotet und ihr die Kleider zerriß? Nein, es 
wird nichts mehr verraten, wie Stauss und sein wunderbares Ensemble 
„die Sau rauslassen“. Denjenigen, die Eintrittskarten ergattern konnten, 
soll der Spaß nicht vorweggenommen werden. Und wer leer ausging, 
wäre nur umso entäuschter. Denn: Mobile Alpen werden 
hereingeschoben. Lampions illuminieren eine italienische Nacht mit alten 
Schmachtschlagern. Porträtähnliche Puppen kündigen ihre Darsteller an. 
Die fleischfressende Pflanze, der weltbeste Kunstnasenträger... nein, 
Schluß mit der Aufzählung!
Was bleibt, sobald sich das Zwergfell beruhigt hat, ist die Huldigung an 
die Darstellerin der „Widerspenstigen“, Anja Topf. Sie ist eine Bombe an 
explosiver Energie, an fetzender sprachlicher und umwerfend mimischer 
Begabung. Mit ihr, mit Partner Andreas Kaufmann und der gesamten 
Stauss-Truppe kann man vom Theater nie genug bekommen. (z.W.)   
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