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Hamburger Abendblatt

Schönherrs „Weibsteufel“ 

aktuell inszeniert

Verdienter Beifall für drei ausgezeichnete Schauspieler

Von dem österreichischen Dramatiker Karl Schönherr (1867-1943) 
glaubte man lange, daß er in seinen Stücken ausschließlich seiner 
Tiroler Heimat und dem ihr entstammenden Menschenschlag ein 
Denkmal gesetzt habe. In kerniger Holzschnittmanie, mit farbigem 
Dialekt, urwüchsig, (blut-und) bodenständig schienen sie in das 
Repertoire jedes Bauerntheaters zu passen. Doch auch zu Lebzeiten 
Schönherrs kümmerten sich „große“ Regisseure – wie z.B. Max 
Reinhardt – um die Stücke und wußten ihnen über das bäuerlich – 
tirolerische Milieu hinaus allgemeingültige Aspekte abzugewinnen.

Denn Menschliches – Allzumenschliches – geschieht mit und zwischen 
dem Mann, seinem Weib und dem Grenzjäger. Eine 
Dreiecksgeschichte? Ja, das auch, wie sie sich seit Menschengedenken 
immer wieder ereignet hat; mehr aber eine Geschichte darüber, was 
Menschen mit Menschen zu tun imstande sind, wozu Menschen sich 
selbst und andere treiben können. Da ist ein Weib, das zunächst von 
zwei Männern als Köder für eigennützige Zwecke eingesetzt und 
mißbraucht wird; ein Weib, das – als es den Betrug begreift – sich 
auflehnt, anfängt zu denken und konsequent zu handeln – bis zum 
bitteren Ende. Vom Autor selbst und wohl auch von den Zeitgenossen 
wurde es als „Weibsteufel“ (deutlich spürbar in der Nähe zu Strindberg) 
abgestempelt; heutige Zeitgenossen begreifen das Stück eher als 
ewigen Kampf zwischen Manns – und Weibsteufeln oder nüchterner 
betrachtet zwischen Mann und Frau, in dem jeder aus ganz 
unterschiedlichen Gründen zum Täter und Opfer wird.
Schönherr zeichnet einfache, harte Konturen, bewies dramaturgisches 
Geschick, schilderte menschliches Verhalten in seinen Grundzügen und 
Grenzsituationen, übergangslos, einprägsam, eindeutig, nur das 
wesentliche andeutend, ohne Beiwerk – eben in der Manier eines 
Holzschnitts.

Und genauso inszenierte Wolfgang Forester das Stück. Die Aufführung 
machte deutlich , daß es keineswegs ortsgebunden, auch nicht 
dialektverbunden (auf Dialekt wurde ganz verzichtet) und schon gar nicht 
zeitgebunden ist. Da war fast nichts eingestaubt und veraltet, sondern 
hautnah und beklemmend. Gespielt wurde auf hohen 
schauspielerischem Niveau; klar gegliedert; Wesentliches zwischen dem 
Gesagten ausdrückend; mit viel leisen Tönen, die die Beklemmung 
steigerten und wenigen - sehr diszipliniert dargestellten – Ausbrüchen, 
die die Ausweglosigkeit vergrößerten.

Karin Baal – ein Weibsteufel?
Nein, eine von Männern erniedrigte Frau, in der die Sinne erwachen und 
die ihre Erniedrigung den Männern heimzahlt; eine apart-herbe Frau, die 
Wärme, Begierde, Haß, Verachtung mit äußerst nuancenreichen 
sprachlichen Mitteln darzustellen wußte. Ihr ebenbürtig „Der Mann“: 
kränklich, schwach, kümmerlich, aber auch schlau und seine 
Mitmenschen realistisch einschätzend. Helmut Stauss spielte diesen 
auch äußerlich so benachteiligten Menschen bestechend intensiv und 
wurde, da er nicht - wie sonst oft üblich – ein „Alter“ war, zum echten 
Gegenspieler des Grenzjägers. Der fängt sich im selbstausgelegten 
„Fangeisen“ und kommt, wie er sich auch dreht und wendet, nicht aus 
der Falle heraus. Götz George gestaltete den Grenzjäger nicht als 
Kraftmeier oder Draufgänger, sondern als naiven, unsicheren, sich selbst 
nicht begreifenden Menschen, selbst treibend, aber noch mehr getrieben 
werdend. Wie seine Mitspieler erwies sich auch George als adäquate 
Besetzung. 
Verdienter Beifall für drei ausgezeichnete Schauspieler und für ein 
Stück, das in der dargebotenen Form seine Wirkung nicht verfehlt.

 


Rheinischer Merkur

Bäuerliches Ehedrama

in großer Besetzung

Der „Weibsteufel“ von Karl Schönherr

Eine Frau zwischen zwei Männern, ein Thema, das schon seit jeher 
Dichter und Schriftsteller zu Gestaltung reizte, benutzte auch der 1867 in 
Tirol geborene Arzt und Schriftsteller Karl Schönherr für sein Drama „Der 
Weibsteufel“, das 1915 in Wien uraufgeführt wurde und von seinen u.a. 
auch mit dem Grillparzer-Preis ausgezeichneten Stücken zu den am 
meisten aufgeführten Werken zählt.
Wie zugkräftig das Stück noch heute ist, zeigt die Aufführung in der 
Inszenierung von Wolfgang Forester. Er hat das fünfaktige Drama stark 
gestrafft, um die dramatischen Höhepunkte in den Beziehungen der drei 
Menschen herauszuarbeiten. Götz George spielt die Rolle des 
Grenzjägers, der in die Fänge des „Weibsteufels“ gerät. Wer ihn als 
Stanley Kowalski in Tennessee Williams „Endstation Sehnsucht“ erlebte 
oder in seinem forschen Draufgängertum als Fernsehkommisar 
Schimanski , der konnte jetzt erneut die darstellerische 
Wandlungsfähigkeit Georges feststellen. Er kann auch leise Töne 
anschlagen. So, wenn er als Grenzjäger in dem Hause des des 
Schmuggels verdächtigten Mannes bei einer Hausdurchsuchung 
Babywäsche in einer Truhe entdeckt, die die kinderlose Frau dort 
aufbewahrt hat.
Er beginnt, die unerfüllte Sehnsucht der Frau an der Seite ihres 
trunksüchtigen Mannes zu ahnen, um schließlich ihrer sinnlicher 
Begierde zu erliegen, wobei er sogar seine „Ehre“ und seinen Beruf aufs 
Spiel setzt. Karin Baal spielt die unbefriedigte Frau mit dem urtümlichen 
eines Weibes, das sich seiner Macht über den kraftstrotzenden jungen 
Jäger mehr und mehr bewußt wird.
Sie reißt ihn an sich und stößt ihn wieder fort, sie stachelt ihn an, ihren 
ungeliebten Mann zu erschlagen und sie wird zu einer wilden Furie in der 
Erkenntnis, daß sie beiden Männern schließlich nur als Köder dienen 
sollte. Die Schlußszene des ehelichen Dramas, in der der zu sinnloser 
Raserei von der Frau getriebene Jäger auch sie an der Seite ihres von 
ihm erstochenen Mannes mit seinem Säbel niederschlägt, blieb dem 
Zuchauer erspart, der Regisseur hatte sie gestrichen.
Helmut Stauss spielt ebenfalls mit erstaunlicher Einfühlung die Rolle des 
Mannes und Schmugglers – ein kränklicher Schwächling, der aber stolz 
ist auf sein junges Weib und auf sein neues Haus am Markt, daß er sich 
mit seinem Schmuggelhandwerk erworben hat, in das er aber nicht mehr 
einziehen wird. Das Publikum stand – zu recht – im Banne der 
schauspielerischen Leistungen.
                                                                                                                                                                                Frenetischer Applaus zur Premiere.

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