Leseprobe Verlag Cast Presse Photography Archive
 
 
«Viel Lärm um nichts» am Schloßpark-Theater
Von Volker Oesterreich
Amors Pfeil trifft deutlich daneben. Der kleine Gott aus 
Gips ist im Schloßpark-Theater so klar im Abseits postiert, 
daß er überhaupt keine Chance hat, die auf der Bühne 
versammelten Herzen zu betören. «Viel Lärm um nichts», 
die Shakespeare-Komödie von 1598, bleibt bar jeder 
Zauberei. Nicht einmal Puck, der Liebes-Kobold aus dem 
sehr viel bedeutenderen Schwester-Stück 
«Sommernachtstraum», läßt sich besuchsweise blicken.
Keine Pfeile also, keine in die Augen geträufelten Lust-
Tropfen. Da bleibt für Regisseur Thomas Birkmeir in 
seiner zweiten Inszenierung am Haus (nach Büchners 
«Leonce und Lena») nur ein Ausweg: Er ersetzt das 
fehlende Aphrodisiakum durch forcierte Albernheit. Alles 
ist auf gewollte Weise angekichert an diesem Abend. 
Gags statt Geist.
Gleich im ersten Bild sind die Teenager los. Die drei 
Girlies Hero, Beatrice und Margareta begucken sich 
nacktes Männerfleisch auf Hochglanzpapier und giggeln 
dabei noch ziemlich grün hinter den Ohren. 
Wahrscheinlich hat das mit Imprägniertünche giftig 
getränkte Holzgestell, das Bühnenbildner Andreas 
Lungenschmid mit allerlei Treppchen und Möglichkeiten 
zum Unterschlupf für die Inszenierung entworfen hat, auf 
die Gemüter abgefärbt.
Die Kerle machen dafür einen auf Macho und geben lauter 
nette Mafiosi im Westentaschenformat. Sie haben 
Ballermänner dabei, knipsen zum Andenken auch schon 
mal ein Polaroid und schleppen in einer Szene sogar ein 
Gummiboot auf die Bühne.
Doll was los im alten Messina, wo beim Maskenball im 
Hause des Leonato (Helmut Stauss) das ewig 
verwirrende, von Intrigen und Einflüsterungen begleitete 
Tandaradei vom Zaun gebrochen wird. Benedict (Marcello 
de Nardo, der Mann für so viele Fälle in Steglitz) und 
Beatrice (Wiebke Frost) können sich nicht riechen und 
fressen dann doch einen Narren aneinander. Claudio 
(Alexander Pschill) und Leonatos Tochter Hero (Sabine 
Grabis) sind einander zugetan, doch dann wird das Feuer 
der Eifersucht geschürt, Claudio stößt seine Braut 
während der Hochzeitszeremonie zurück - und zum 
Schluß kriegen sie sich dann doch. Dazwischen kalauert - 
wie bei Shakespeare üblich, aber bei weitem nicht so 
burlesk wie Zettel & Co. - das Duo Holzapfel (Herbert 
Schöberl) und Schlehwein (Jens Ole Schmieder) drauflos. 
Allgemeine Zufriedenheit, die sich in einer gelungenen 
Schluß-Pantomime auflöst.
Eigentlich sonderbar, daß dieses stumme Bild den 
stärksten Eindruck hinterläßt. Die Dialoge davor geraten 
dafür gefährlich nahe an die Untiefen der Soap-Opera. Die 
vielen Zitate musikalischer Schmachtfetzen unterstreichen 
diese Tendenz. Und da hin und wieder italienisch parliert 
wird, gibt es nur ein Fazit: basta!

Leseprobe Verlag Cast Presse Photography Archive