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Rheinische Post
Faszinierendes Bild des Menschlichen
Gogol´s „Revisor“ als Tragigkomödie 

Eine Komödie nannte Nikolai Gogol sein Drama „Der Revisor“. Die 
Bezeichnung mag irreführen, denn eigentlich ist es eine Tragikkomödie, 
es geht hier um mehr als nur die Angst einer korrupten Clique vor der 
amtlichen Überprüfung ihres Tuns. Der Stadthauptmann, der Polizist, die 
Kaufleute und Richter sind mehr als Folie für das Verhalten der 
Menschen die über Macht verfügen. Gogol ging es zwar vordergründig 
um die Darstellung von Korruption, aber das Drama nur unter diesem 
Aspekt zu betrachten, wäre zu einseitig.
Genial der dramaturgische Kunstgriff den eigentlichen Revisor überhaupt 
nicht auf der Szene erscheinen zu lassen, sondern statt seiner den 
verarmten Lebemann Chlestakow, der irrtümlich für den Revisor 
gehalten wird. Hier liegt aber auch der entscheidende Schlüssel zum 
Verständnis. Denn anders als in Kleist´s „Zerbrochenen Krug“, werden 
hier die schuldigen Personen nicht ihrem gerechten Urteil zugeführt, 
sondern der Schluß bleibt offen und offen bleibt die Frage, ob die 
Schuldigen ihrem gerechten Urteil je zugeführt werden können.
Traurige Schemen
Das Personal des „Revisors“ scheint wie  traurige Schemen einem 
Panoptikum entsprungen. Das Regieteam Stauss / Feik / George 
erkennt dies. Sie riskieren die Tragik der Komödie, lassen die 
Widersprüche, Obszönitäten und Peinlichkeiten voll aus- jedoch nie 
überspielen. Was nicht zuletzt auf die hervorragende Besetzung 
zurückzuführen ist. So spielt Eberhard Feik seinen Stadthauptmann mit 
großartiger Eindringlichkeit. Ebenfalls hervorragend Götz George. 
Hinreißend seine Interpretation des hyperbolischen 
Übertreibungsmonologes, in dem er den Anwesenden seine glänzende 
Stellung am Petersburger Hof vorgaukelt. 
Rest von Sexapeal
Aber der gute Eindruck der Aufführung resultiert auch aus einer 
überzeugenden Besetzung der Nebenrollen. So spielt Annelie Wagner 
die alternde Mutter, die noch einen Rest von Sexapeal hergibt und 
eifersüchtig auf das Töchterchen (Hendrieke Heyse) ist. Von den übrigen 
Darstellern ist noch Helmut Stauss als Bobtschinskij zu nennen. Ohne  
seine umwerfend clowneske Komik wäre die Aufführung sicher weniger 
sehenswert. 
Fast unnötig zu bemerken: Bravos und Beifall.
(Michael Pitzgrewitz)   
 
 
Frankfurter Rundschau
Ein Revisor kommt!

Götz George, Eberhard Feik und Helmut Stauss gelang ein großer Wurf
„Schimanski“ als „Revisor“ in Nicolai Gogols weltbekannter Komödie – 
wie soll man sich das vorstellen? Viele junge Gesichter sieht man im bis 
auf den letzten Platz gefüllten großen Haus. Erwartungsvolles Geraune 
in Erwartung auf „Schimmi pur“. 
Doch dann kommt etwas anderes als vielleicht gedacht: Der Vorhang 
öffnet sich und gibt den Blick frei auf Erstaunliches. Stadthauptmann 
Anton Antonowitsch (Eberhard Feik – übrigens ehemaliges 
Ensemblemitglied der Berliner Schaubühne) nimmt gnädig „Schmier“-
Gaben entgegen, wird dann aber durch die Nachricht aufgeschreckt: „Ein 
Revisor ist in der Stadt!“ Und dieser Revisor, so erfährt der genervte 
Stadthauptmann, reise inkognito! Was ist zu tun? Die 
Beamtengepflogenheiten im Städtchen sind nicht die besten! Man hört, 
im Gasthof sei ein Fremder abgestiegen. Das muß er sein! Man eilt hin 
und überrascht den harmlosen, etwas „abgebrannten“ kleinen Beamten 
Iwan Alexandrowitsch Chlestakow (Götz George) mit Unterwürfigkeit und 
Geschenken.
Der weiß zunächst nicht, wie ihm geschieht. Dann dämmert ihm die 
Verwechslung, und nutzt die Situation weidlich aus. So läßt er sich wohl 
sein im Hause des Stadthauptmanns, trinkt dessen Keller leer, nimmt 
Avancen von dessen Frau und Tochter entgegen, dann „Darlehen“ der 
beflissenen Bürger, um sich alsdann rechtzeitig abzusetzten, nicht 
jedoch, ohne vorher einem Freund amüsiert von seinen Erlebnissen in 
der kleinen Stadt zu berichten. Doch sein Brief wird abgefangen, 
geöffnet – und so erfährt jeder von eigener Dummheit und Schmach.
Dieses Stück Gogols, das nur durch die Gnade des damaligen Zaren 
Nikolaus I., der als unerbittlicher Richter korrupter Beamter galt, auf die 
Bühne kam – so locker, so amüsant hat man es selten erlebt! Denn was 
sich in dieser Inszenierung dem Publikum anbot, war ein durchdacht 
sprühendes Bühnenerlebnis, daß den überraschten Zuschauern das 
Herz lachte und, wenn auch in völlig anderer Weise als ein Tatort-Krimi – 
aufs intelligenteste unterhielt und fesselte. Das lag nicht allein an der 
großartigen Leistung Götz Georges als Chlestakow. Nein, diese 
Inszenierung – für die er gemeinsam mit seinen beiden Kollegen 
Eberhard Feik und Helmut Stauss (ein wunderbar komischer 
Gutsbesitzer Bobtschinskij) zeichnet, wirkt wie aus einem Guß. – Durch 
die Bank spannende Typen: Neben den bereits Genannten Annelie 
Wagner (Anna Antonowna), Hendrike Heyse (als deren Tochter Marja), 
Wolfgang Petersen, Horst Köppen und, und, und.  Begeisterter und 
wohlverdienter Applaus zum Schluß. (R.P.)
 

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