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Hamburger Morgenpost
Die Sucht der Reporter nach den Sensationen
Zum Auftakt der Hamburger Theater-Saison wurde die Premiere des 
Stückes „Night and Day“ stürmisch bejubelt.
Das Schauspiel des englischen Dramatikers Tom Stoppard (47), der 
durch sein Stück „Rosenkranz und Güldenstein“ im Jahre 1966 
weltberühmt wurde, und der zu den geistreichsten Autoren seiner 
Generation gezählt wird, beschreibt Funktion und Problematik der 
Presse. 
Zwei rivalisierende Reporter, Jacob Milne (Helmut Stauss), Rick Wagner 
(Hubert Suschka), und der Fotograf George Guthrie (Peter Neusser) 
treffen sich in der Villa eines englischen Geschäftsmannes in Afrika. In 
dem diktatorischen Staat wollen sie über den sich dort anbahnenden 
Bürgerkrieg berichten. Heillos werden die drei Reporter in die politisch 
schwierigen un din die familiär verwirrenden Verhältnisse ihrer 
Umgebung verstrickt. Als es an der Front zu brodeln beginnt, machen 
sich der Fotograf und der junge, engagierte Berichterstatter Milne auf 
dem Weg in die Kriegsgebiete, während Starreporter Rick im Hause des 
Engländers und seiner bildhübschen, verführerischen Frau bleibt.
In dem Pflichtbewußtsein unter allen Umständen Tatsachen zu 
recherchieren, stirbt der besessene Journalist Milne.
In „Night and Day“ beschreibt Stoppard zum einen die Härte des 
journalistischen Berufes aber auch den Zynismus von Reportern, die 
Kriege nur zum Anlaß nehmen, Sensationsmeldungen in die Zeitungen 
zu bringen, ohne tatsächlich vom Leid der betroffenen Menschen berührt 
zu sein.
Die großartige Darstellung der Schauspieler und ihr realistisches 
Engagement als Sensationsreporter hat den Zuschauern eindringlich vor 
Augen geführt, zu welchen sinnlosen Leistungen die Sensationsgier 
führen kann (Beatrice Kolster)
 
 
Hamburger Abendblatt
Sterben für einen guten Leitartikel
Die einen saugen sich ihre Revolvergeschichten am Redaktionstisch aus 
den Fingern, die anderen gehen für eine gute Information – wenn es sein 
muß – bis in die Hölle. Oder in irgendeinen verdammten Krieg – Sterben 
für den Leitartikel! Das Ernst-Deutsch-Theater eröffnet mit „Night and 
Day“ , Tom Stoppards Stück vom Glanz und Elend des Journalismus, 
seine neue Spielzeit. Auch wenn dies Schauspiel nie so ganz den 
großen Bogen erreicht und streckenweise zwischen Salon – und 
Problemstück umherirrt – es war ein schöner Erfolg. Für den Regisseur 
Karl Paryla ebenso wie für sein ausgezeichnetes Darstellerteam.
Genau besehen ist es ein Werk aus der Tradition der englischen 
Konversationsstücke, in denen auf der Bühne Unmengen von Tee und 
Whisky konsumiert werden und dabei viel über Gott, die Welt und das 
Wetter geredet witd. Bei Tom Stoppard geht es bei diesen Gesprächen 
in der Villa eines gutbetuchten Engländers (Peter Gross) in Kambawe, 
einem fiktiven afrikanischen Staat, um die Rolle der Presse. Um ihre 
Unzulänglichkeiten, ihre Komplizenrolle, in die sie sich überall in der Welt 
oft freiwillig begibt oder von den Herrschenden gezwungen wird, und um 
ihre Aufgabe zu informieren. „Ich bin an vielen Orten gewesen, „läßt der 
Autor Guthrie, einen seiner Protagonisten, sagen. „Die Menschen tun 
einander schreckliche Dinge an. Aber es ist schlimmer überall dort, wo 
alle im Dunkeln tappen. Wirklich, Information ist Licht. Informationen, 
worüber immer, ist Licht.“  Und so fällt dann nach vielem Für-und wider 
doch noch ein Plädoyer Tom Stoppards für die freie Presse ab – auch 
wenn es ihm vermutlich ähnlich geht wie Ruth, der einzigen weiblichen 
Rolle in seinem Stück. Sie ist für die freie Presse, aber sie kann 
Zeitungen nun einmal nicht ausstehen.
Karl Paryla hat mit Schläue und dem Geschick eines mit allen Wassern 
gewaschenen Theatermanns die Schwächen des eher handlungsarmen 
Schauspiels glänzend überdeckt. Zur Hilfe kommt ihm dabei das 
stimmungsvolle Interieur von Walter Dörfler mit seinem leicht lädierten 
vergangenen kolonialen Prunk, das auf der Drehbühne fleißig hin und 
her bewegt wird. Wodurch zeitweise der Eindruck von wechselnden 
Kinoeinstellungen, anfangs aber auch der Eindruck einer etwas 
forcierten Unrast entsteht.
Ein bischen unglücklich ist der Part der Frau des Villenbesitzers. Man hat 
den Eindruck, Stoppard hat diese Rolle nur eingebaut, um sein 
Männerstück erotisch aufzulockern. Daniela Ziegler hat in diesem Team 
denn auch den schwersten Stand. Sie rettet sich in die Rolle der 
frustrierten Salonschlange. Knallhart und lebensnah wird es immer, 
wenn die drei charakterlich von ihrem Beruf unterschiedlich geformten 
oder deformierten Reporter auf der Bühne aneinander geraten: Helmut 
Stauss als der idealistische Jacob Milne, Peter Neusser als 
abgekämpfter Fotograf oder Hubert Suschka als verschlagener „Sundy 
Globe“-Korresponent. Eine Entdeckung ist Adolphe Sowah als Präsident 
Magiba – er besitzt eine bemerkenswerte Präsenz. Sehr symphatisch 
Derval de Faria in der Rolle des Francis. (Mathes Rehder)

 

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