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Braunschweiger Nachrichten
Helmut Stauss` LULU 
Schauriges Spektakel mit viel Theaterblut
(km) „Lulu“ schrieb Alfred Polgar im Jahre 1912, „wäre als eine wilde 
Groteske zu spielen; als eine übertriebene, blutige Farce; als eine 
aufregend, lächerliche Satansmesse; kurz als eine Höllenbelustigung 
und nicht als eine Erdentragödie“.
Frank Wedekind, Schöpfer der „Lulu“ behauptete, daß diese Figur  „eine 
sehr leichte und dankbare Rolle“ sei, „sobald sich jemand für sie eignet“. 
Aber merke: Tatsächlich eignen sich nur wenige. Renommierte Aktricen 
– von Cornelia Froboess über Angelica Domröse bis hin zu Susanne 
Lothar – haben mit dieser Gestalt gekämpft.
Helmut Stauss hat die „Monstretragödie eingerichtet. Er strich die sieben 
Akte des Doppeldramas aus „Erdgeist“ und „Die Büchse der Pandora“ 
kräftig zusammen und bringt das schaurige Spektakel nun mit 
dröhnender Zirkusmusik und Brechtgardine vor wechselnden Spielorten 
(Ausstattung: Claudia Nowottny) auf die Bühne.
Anouschka Renzi im Titelpart: spontan und ungestüm, unschuldig und 
schamlos, laut und schrill. Die Lulu der Renzi ist agressiv, sie packt die 
Männer in des Wortes eigentlicher Bedeutung. Keine Femme fatale, 
sondern ein großes und wildes, manchmal böses Kind, ob der Ereignisse 
zwar erschrocken, aber nicht wirklich betroffen. Ein armes Luder, das, 
welch ein Ende, dem Triebtäter Jack the Ripper in die Hände fällt und 
grausam abgeschlachtet wird.
Theaterblut fließt reichlich. Sowohl im ersten Teil, den Lulu`s Aufstieg 
zum Luxusgeschöpf schildert als auch nach der Pause, da sie im 
Londoner Elendsquartier als Prostituierte im Unterrock ein verlorenes 
Mädchen ist.
Sehr präzise agiert die übrige Spielerschar. Katharina Höfels behauptet 
sich als gräflich unglückliche Lesbe, Gerhard Marcel mimt den 
unheimlichen Schigolch, mutmaßlicher Vater und Geliebter zugleich. 
Wolfgang Hartmann tritt als Lulu höriger Zeitungszar Dr.Schön auf, 
Christoph Grunert als dessen exaltierter Sohn Alwa, Ludwig Hollburg als 
zwischen Lust und Skrupel schwankenden Maler Schwarz. Weiter im 
Karussell um Sex und Crime drehen sich Atilla Borlan, Klaus Ziller, und 
Hartwig Eibert. 
Heftiger Beifall am Premierenabend.

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